Ev. Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen
Ihre evangelische Kirche in Hessens Norden

Zum Weiterdenken

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die Texte zur Verfügung, die - zumeist - aus der Mitte unseres Kirchenkreises für die Hofgeismarer Allgemeine und die Wolfhager Allgemeine erstellt werden - zum Nachlesen, Nachdenken und Weiterdenken.

28. Januar

Gedanken zum Sonntag:
Die Liebe Gottes

Von Diakon Jürgen Jaklin

Ich erlebe es immer wieder bei Begegnungen, Familienfeiern
oder Festen, dass man eingeschätzt wird.
Die erste Frage: was machst Du beruflich.... und sie kennen dann
den Katalog, der noch abgefragt wird.
In der Familie muss dann noch erzählt werden, was noch alles
angeschafft wurde, wo der Urlaub verlebt wurde, usw.

Unser christlicher Glaube basiert zum Glück nicht auf diese
Erfolgserlebnisse!
Und, wir müssen nicht lügen!
Unsere christlichen Grundwerte liegen in einem ganz
anderem Bereich.
Wer von uns kennt sie noch..
Barmherzigkeit, Liebe, Herzensreinheit, Friedenswillen
und Seligkeit.
Die dauerhafte Zuwendung Gottes, seine unendliche Liebe
schenkt er uns ohne Bedingung!
In der Bergpredigt hinterlässt er uns die Grundwerte
unseres Glaubens - sein Vermächtnis.

Wir müssen uns entscheiden, wie er es von Petrus
verlangt hat: Quo Vadis!?
Wohin führt Dein Weg?

Der Weg bedeutet nicht: Egoismus, dem Glück nachjagen und ohne Grundlage
zu Kritisieren, sondern sich selber einzubringen!
Als Beistand, erleben wir die Liebe Gottes!

Ihr Diakon Jürgen Jaklin

Jürgen Jaklin ist Diakon der katholischen Kirchengemeinde St. Peter in Hofgeismar.


Glaubenssache:
Computer schreibt Andacht

Von Pfarrer Philipp Torben Ruess

Philipp Torben Ruess ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Oberelsungen.

Texte und Andachten zu Schreiben ist harte Arbeit. Vor allem der Schritt davor: Über was will ich eigentlich schreiben? Stimmt die grundlegende Idee, ist der Text schnell geschrieben. Aber dieser erste Schritt ist richtig anstrengend. Manchmal fehlt die entscheidende Idee, die den Text interessant und lesenswert macht. Kommt bei mir noch Zeitdruck dazu, dann hilft mir eine kurze Recherche im Internet. Selbst wenn man im Anschluss keine gute Idee hat, fanden sich ein paar Absätze, die man vielleicht neu zusammensetzen kann. Die Andacht ist dann nur so La-La und ein Plagiat. Aber wie mein Mentor schon sagte: Besser gut kopiert, als schlecht erfunden. Nur eine Gewohnheit sollte das nicht werden.

Bestimmt haben Sie in den letzten Wochen schon von ChatGPT gehört. Einer Künstlichen Intelligenz, die Texte schreiben kann. In meiner digitalen Bubble wurde schnell diskutiert, ob ChatGPT vielen Kreativen die Schreibarbeit abnehmen kann. In meinen Versuchen konnte ich der Software zumindest halbwegs passable Andachten entlocken. Aber nur dann, wenn ich im Vorlauf auch eine gute Idee für den Schreibauftrag hatte. Eigentlich nicht weiter verwunderlich. Denn so genial die Software ist, im Hintergrund nimmt sie auch nur vorhandene Texte und setzt Sie neu zusammen, nur eben schneller als ein Mensch.

Aber so richtig gut und lesenswert war das alles nicht, manchmal sogar Hanebüchen. Eben Versatzstücke aus Texten, die man im Internet so finden kann. Auf absehbare Zeit also auch nur ein Hilfsmittel, das so gut ist, wie derjenige der es bedient und aufzeigt, wie wertvoll eine gute Idee ist.


21. Januar

Gedanken zum Sonntag:
Ich schäme mich nicht

Von Pfarrer Sven Wollert

Sven Wollert ist Pfarrer für die Ev. Kirchengemeinde Obermeiser-Westuffeln und Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises.

Es war ganz einfach, Standard für einen guten Torwart wie ihn – eigentlich: Die verunglückte Flanke oben abfangen, zwei oder drei Schritte, den Ball nach vorne werfen und den Konter einleiten. Dumm nur, dass der Ball jetzt hinten im Netz liegt: Durch die Handschuhe geflutscht …

Nun steht er da und weit und breit kein Loch im Erdboden zu finden, um darin zu versinken. Er schämt sich – vor den Mitspielern, den Zuschauern, vor allem aber vor sich selbst.
Auch ich kenne Situationen, in denen Flucht eine sinnvolle Alternative scheint, weil ich anderen nicht unter die Augen kommen will. Und es gibt Themen, die man schamvoll umschifft. Das eigene Geld gehört zumindest in Deutschland dazu. Beim Thema Sexualität ist zuletzt einiges in Bewegung geraten, aber auch da wird von vielen immer noch nobel geschwiegen.

Inzwischen scheint auch der Glaube wieder auf die Tabu-Liste zu rutschen. Der sei Privatsache, heißt es dann. Der leitende Pfarrer der evangelischen Kirche im Rheinland sprach in dieser Woche davon, dass die Worte des Glaubens für viele inzwischen wie Klingonisch klängen – eine Kunstsprache, die für die Serie „Raumschiff Enterprise“ erdacht wurde.

So ungewohnt es mir erscheint, ist die Situation doch nicht neu. Mindestens in der Anfangszeit der Kirche war es wohl ähnlich. „Ich schäme mich des Evangeliums nicht!“ schreibt Paulus an die Gemeinde in Rom. Deswegen will er zu ihnen kommen und die Frohe Botschaft bezeugen. Aus gutem Grund – damals er, heute wir, auch ich.


Glaubenssache:
Von wegen Provinz!

Von Pfarrer Karl-Alfred Dautermann

Pfarrer Karl-Alfred Dautermann ist Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Wolfhagen-Ippinghausen und Bad Arolsen.

Was für ein Gottesdienst! Da sitzen wirklich Menschen aus aller Herren Länder vor mir. Ukrainer, eine junge Frau aus Belarus, Iraner, Syrer, Pakistani, Togoer und sogar eine Frau aus Mexiko. Was für ein buntes Bild mitten in der deutschen Provinz. Längst ist die Welt auch bei uns angekommen. 

Der Wochenspruch erinnert mich daran: „Es werden kommen von Osten und Westen, von Norden und Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes“, sagt Jesus in Lukas 13,29. Für Jesus ist das kein Schreckensszenario, sondern die Erfüllung seiner Träume. Menschen aus der ganzen Welt, vereint im Glauben an ihn. So wird es sein in Gottes neuer Welt. Gewöhnen wir uns daran! Freuen wir uns daran! 

Natürlich bleibt das auch eine Herausforderung. Die Sprachbarriere, die kulturelle Verschiedenheit hat schon für manches Missverständnis gesorgt. Und manchmal, da ist es richtig anstrengend. Da braucht es Geduld und Liebe. Aber es lohnt sich. So wie beim Weihnachtsgottesdienst mit 100 ukrainischen Flüchtlingen vom Baby bis zum Greis. Da wurde gesungen und gespielt, gepredigt und gegessen, da wurde gelacht und natürlich auch geweint. Aber die Herzen waren einander zugetan. Der Geruch der Liebe verbreitete sich. So war es richtig. Ein kleiner Vorgeschmack auf den Himmel. 

Sie bleiben skeptisch? Dann möchte ich Ihnen Mut machen. Es ist gar nicht so schwer. Das Herz in die Hand und den ersten Schritt getan, das erste Wort gesprochen, und sei es mit Google-Übersetzer. Ich verspreche Ihnen, eine neue Welt tut sich auf. Und vielleicht ist es sogar Gottes neue Welt. Wir leben schließlich nicht mehr in der Provinz.


14. Januar

Gedanken zum Sonntag:
Freiraum für Gott

Von Pfarrer David Seibel

David Seibel ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Liebenau.

Mit dem Sonntag beginnt nach christlichem Verständnis die neue Woche, mit dem Montag dann die neue Arbeitswoche. Vor aller Arbeit liegen also Ruhe und Erholung. Am nächsten Tag kann es dann mit frischer Kraft ans Werk gehen.

Der Sonntag bietet zum einen Freiräume für sich selbst und für die Familie. Zum anderen bietet er Gelegenheit für den Gottesdienst oder die persönliche Zwiesprache mit Gott. Anregung dafür kann der jeweilige Wochenspruch sein. Für die neue Woche lautet dieser: „Aus seinem Reichtum hat er uns beschenkt, uns alle mit grenzenloser Güte überschüttet.“ (Joh 1,16)

Ich bin reich beschenkt und grenzenlos geliebt. Welch stärkende Zusage für die neue Woche! Vom Reichtum und von der Güte Jesu ist hier die Rede. Ich überlege: Was gibt mir Jesus? Und wie merke ich das in meinem Alltag?

Jesus gibt mir einen Zugang zu Gott. Liebe und Zuwendung sind dabei für mich die treffendsten Begriffe. Wenn ich Liebe und Zuwendung in meinem Alltag spüre, ist das etwas Großartiges. Dann fühle ich mich tatsächlich reich beschenkt und mit grenzenloser Güte überschüttet. Ich bin gespannt auf dieses Wirken Gottes in meinem Leben in der kommenden Woche.


Glaubenssache:
Mache dich auf!

Von Ursula Muth

Ursula Muth ist Kirchenvorsteherin in der Evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen.

Ava hat es in die Freiheit geschafft! Aus der Unterdrückung im Iran ist ihr die Flucht nach Deutschland gelungen. Sie hatte als Archäologin in einem interessanten Projekt im Norden des Iran gearbeitet und sich dabei in einen Kollegen verliebt. Nach der Heirat lebte Ava in seiner Familie nach seinen Vorstellungen vom Islam. Sie hielt sich an die fünf gemeinsamen Gebetszeiten. Sie saß beim Beten hinter ihm, damit er sich ganz auf Gott konzentrieren konnte. Sie verließ nur noch in Begleitung das Haus und trug dabei den schwarzen Tschador. Das war eng, völlig fremdbestimmt. Sie verlor mit ihrem Glauben auch ihre Identität. Verzweifelt trennte sie sich von ihrem Mann.

Aber als alleinstehende Frau lebt es sich schwer im Iran. Ihre Herkunftsfamilie verachtete sie. Als die Proteste gegen das Mullahregime begannen, keimte in ihr Hoffnung auf Veränderung auf. Aber als sie hilflos mitansehen musste, wie eine Freundin brutal von den Sicherheitskräften verschleppt wurde, war Ava am Ende ihrer Kräfte. Zwei Kolleginnen erzählten mehr und mehr von ihrem christlichen Glauben. Hier hatten auch die Frauen etwas zu sagen. Der Respekt vor dem Mitmenschen bestimmte das Denken. In den Büchern der Bibel, fand sie heraus, werden die großen Fragen nach Gott und den Menschen aus sehr verschiedenen Perspektiven verhandelt – Christinnen und Christen bleiben offen im Denken und Begegnen. Ava las, dass die Geschichte Israels mit einem Auszug und langer Wüstenwanderung begann, dass Abraham von Gott zum Aufbrechen aufgefordert wurde und dass Jesus immer unterwegs war zu den Menschen. Sie hörte Gottes „Geh, mache dich auf!“ Plötzlich wusste sie: So wollte sie leben, als Frau respektiert und unterwegs zu neuen (Denk-)Erfahrungen.

Am Donnerstag hat Ava ihr Gespräch beim Bundesamt. Es wird entscheiden, ob sie in Deutschland bleiben darf, weil sie Christin geworden ist.


7. Januar

Gedanken zum Sonntag
"Du bist ein Gott, der mich sieht"

Von Pfarrer Markus Schnepel

Markus Schnepel ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Stadtkirchengemeinde Hofgeismar.

"1, 2, 3 und weg bin ich", rufen die Kinder auf dem Kirchplatz. Sie gehen in die Hocke und halten sich die Augen zu. Dann sind sie weg; nicht mehr zu sehen. Davon sind sie fest überzeugt. 

Der wohlige Schauer besteht in der Spannung, weg zu sein, und doch zu wissen, dass die anderen noch da sind und ich ganz leicht die Augen auf machen kann, wir uns sehen und alles gut ist. Wehe, da wäre niemand mehr, wenn die Augen aufgehen. Ein Alptraum. 

"Du bist ein Gott, der mich sieht", ist die Jahreslosung für das Jahr 2023. In einer komplizierten Situation voller Abhängigkeiten und Unterdrückungen von Hagar auf den ersten Seiten der Bibel gesprochen. Gott begegnet ihr, sieht sie in ihrer schwierigen Lage und macht ihr so Mut. Lebensmut. 

Gott sieht mich an. Jetzt, in jedem Augenblick. Vielleicht durch die Augen der anderen, durch seine Schöpfung, durch einen besonderen Moment der Berührung. Es bleibt kompliziert. Mitunter traurig und leidvoll. Aber Gott sieht mich liebevoll an. Nicht als Überwacher und Kontrolleur. 

Ich habe eine Weile gebraucht, um dieses Bild von Gott abzulegen. Jetzt tut es mir gut, gesehen zu werden. Ohne Bewertung, einfach so. Gott übersieht mich nicht. Mit allem, was gerade so in mir und um mich los ist. 

Der Blick in das Jahr 2023 ist mit vielen Unsicherheiten verbunden. "1, 2, 3 ich bin hier!" rufe ich und fühle mich gesehen. Oder wie beim Kinderspiel: "1, 2, 3 ich bin frei!". So kann das Jahr kommen.

"Du bist ein Gott, der mich sieht."

Glaubenssache
Gott sieht mich

Von Lektor Günter Schnellenpfeil

Günter Schnellenpfeil ist Lektor der Gemeinden Balhorn/Altenstädt in der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche.

Wir denken oft, dass Gott wegschaut, bei allen Unglücken die jeden Tag passieren. Müsste er nicht eingreifen? Warum lässt er das zu? Berechtigte Fragen. Wir haben keine Antwort für diese Seite Gottes. Doch, bist du dankbar für den vergangenen Tag, wenn er gut war und du behütet wurdest? 

Bei der Jahreslosung 2023 aus 1. Mose 16,13, geht es um die schwangere Sklavin Hagar; bei ihr steht momentan die Welt auf dem Kopf. Sie flieht vor den Demütigungen ihrer Herrin Sara in die Wüste. Das Kind in ihrem Bauch ist von Abraham, weil seine Frau Sara bisher nicht schwanger wurde. Diese hatte Abraham überredet mit ihrer Sklavin einen Nachkommen zu zeugen. 

Doch an dem Wüstenbrunnen kommt es zu einer unerwarteten Begegnung mit Gottes Engel. Dieser nennt den künftigen Namen des Ungeborenen und wie sein Wesen sein wird. Er zeichnet sogar ihren weiteren Lebensweg auf, doch zunächst wird sie zurück zu Sara geschickt. Vertraut spricht Hagar: "Du bist ein Gott der mich sieht".

Schon verwunderlich, dass Gott ausgerechnet einer am Rande der Gesellschaft stehenden Person, nachgeht. Ja mehr noch, er hilft ihr. Das bedeutet doch, dass Gott uns tagtäglich viel näher ist, als wir uns das vorstellen. Dass er Menschen in Not beisteht, haben wir evtl. schon gehört, gelesen oder selbst erfahren. 

Unser Leben ist vor Gott, wie ein aufgeschlagenes Buch. Er hat einen Plan mit einem Jeden von uns. Sein Eingreifen, wann auch immer, oder auch das Unterlassen, erschließt sich uns nicht. Doch können wir - vertrauensvoll - zu Gott beten, bitten, auch klagen, was uns bedrückt, denn ER sieht uns!

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