Ev. Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen
Ihre evangelische Kirche in Hessens Norden

Zum Weiterdenken

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die Texte zur Verfügung, die - zumeist - aus der Mitte unseres Kirchenkreises für die Hofgeismarer Allgemeine und die Wolfhager Allgemeine erstellt werden - zum Nachlesen, Nachdenken und Weiterdenken.

8. Mai

Gedanken zum Sonntag

Von Pfarrer Jonathan Bergau

Jonathan Bergau ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Oedelsheim und Gieselwerder.

„Ich bete für Dich.“ Hat das schon mal jemand zu Ihnen gesagt?

Wie haben Sie sich dabei gefühlt? Hat Sie das gefreut oder haben Sie Ihr Gegenüber – mit Verlaub – für einen Spinner gehalten?

Gebet kommt bei uns in der Öffentlichkeit eher selten vor. Gebet ist ganz persönlich und bleibt so häufig Privatsache.

Das Gebet ganz privat ist, ist an sich auch gar nicht schlecht. Im Gebet kann ich das, was mir auf dem Herzen liegt, vertrauensvoll zu Gott bringen. Ob laut oder in Gedanken ich kann zu Gott kommen, wie zu einem Freund. Dabei braucht es weder ausgefeilte Worte noch eine besondere Form. Ich kann reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Ich darf meinen Dank, meine Freude aber auch meine Zweifel und meine Klage an ihn richten. Das tut mir gut und hilft mir durch die Zeit, nicht nur durch die Pandemie.

„Ich bete für Dich.“ Das ist die Aufgabe nicht nur von Pfarrerinnen und Pfarrern sondern von allen Christinnen und Christen. Nicht nur meine persönlichen Anliegen sollen vor Gott kommen, sondern auch die der anderen Menschen. Darunter zählen nach Jesu Botschaft auch die, die mir das Leben schwer machen.

Der Satz „Ich bete für Dich.“ gehört ernst gemeint in die Öffentlichkeit. Er ist eine Hoffnungsbotschaft.

Ich wünsche Ihnen nicht nur an diesem Sonntag, der Rogate (lat. Betet!) heißt, dass Sie für andere beten können und, dass wenn Sie nicht beten können, andere für Sie beten.

Glaubenssache:
Sich sehen lassen können

Von Pfarrer Dr. Michael Dorhs

Dr. Michael Dorhs ist evangelischer Pfarrer und Referatsleiter für Schule und Unterricht der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. (Foto: medio.tv/Schauderna)

Das ungläubige Erstaunen stand der Schülerin ins Gesicht geschrieben: „Ich, gewollt und wertvoll? Nein, ganz bestimmt nicht!“ So hatte sie sich offenbar noch nie wahrgenommen – vielleicht weil es ihr so auch noch niemand gesagt hatte. Im Unterricht ging es um ein heißes Eisen: „So, wie ich bin – so, wie ich sein möchte“.

Mag sein, dass für uns Ältere die Frage, ob der Po zu dick, der Busen zu klein oder der Körper muskelbepackt genug ist, an Wichtigkeit verloren hat. Aber ob wir Erwachsenen deshalb eher bereit sind, uns so anzunehmen, wie wir sind? Verschweigen wir den Anderen unsere Träume vom gelingenden Leben, oder erzählen wir ihnen davon? Muten wir ihnen unsere tiefsten Überzeugungen zu, auch, wo es mit uns keine Kompromisse gibt? Ich finde, das ist die Frage, die sich prinzipiell kaum von der jener Schülerin unterscheidet: Ob wir uns trauen, uns zu zeigen, weil nur so sichtbar werden kann, was Gott selbst in uns angelegt hat, wodurch wir unverwechselbar werden, nämlich unverwechselbar wir selbst! Das heißt nicht, dass alles an uns „schön“ wäre.

Wir wissen sehr gut, wo wir hinter uns zurückbleiben oder schuldig werden. Aber das ändert nichts daran, dass wir von Gott her „gut“ gemeint sind. Und dass das auch zur Entfaltung kommen soll – selbst, wenn’s nur fragmentarisch gelingt. Manchmal geschieht das zur Freude aller. Manchmal auch auf merkwürdig krummen Wegen, so dass es Befremden, ja sogar Ablehnung auslöst. Und trotzdem „stimmt“ es! Wichtig ist nur, dass es passiert! Und wir uns gegenseitig ermutigen, wenn wir wieder an uns zweifeln:

Ich gewollt und wertvoll? – Ja, Du! Gerade Du!


 1. Mai

Gedanken zum Sonntag:
Zeit zumMäusemelken

Von Pfarrerin Adelheid Römer-Bornmann

Adelheid Römer-Bornmann ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Niedermeiser und der Kreisklinik Hofgeismar.

Gerade nochmal so davongekommen, dachte ich. Die zwei Wochen Quarantäne kriegen wir schon rum! Schließlich haben wir ein geräumiges Haus und einen großen Garten. Das heißt: genug zu tun. Solange sich bei unserem Sohn die Symptome in Grenzen halten: alles gut! Kaum hatte ich mich erfolgreich selbst beruhigt (und alle anderen natürlich auch), da kränkelt mein Mann. Noch trägt mich die Hoffnung, dass es nur eine normale Erkältung ist. Der PCR Test wird uns in wenigen Tagen Gewissheit verschaffen. Bei dem Gedanken, dass wir doch noch länger zuhause bleiben müssen, sträuben sich mir die Nackenhaare. Was ist, wenn wir nun alle der Reihe nach erkranken? Wir können nichts dagegen tun und natürlich wollen wir andere vor einer Infektion schützen. Darum bleiben wir zuhause, wie angeordnet.

Es ist zum „Mäusemelken“ denke ich, und dazu wäre jetzt ja auch genügend Zeit und Muse vorhanden. Allein die Mäuse fehlen. Und gehörte ich auch einst zu denen, die sich hin und wieder eine Auszeit gewünscht haben, fühlt es sich nun kaum entspannend und erholsam an. Was ich mir für eine Ruhephase ausgemalt hatte, was ich immer schonmal machen wollte, das könnte ich jetzt tun. Leider fehlen mir in dieser Zwangspause einfach die Energie und die Lust dazu. Trotzdem will ich versuchen, für mich und meine Familie das Beste daraus zu machen. Was das sein kann, weiß ich noch nicht so genau. Doch irgendetwas Gutes muss aus der Situation zu gewinnen sein. Dieser Überzeugung möchte ich Raum geben.

Dabei fallen mir viele Begegnungen mit Menschen ein, deren Situation nichts, absolut nichts erkennbar Gutes abzugewinnen war. Die Bilder vom Wüten der Pandemie in Indien lassen mich sprachlos werden.-
Uns geht es gut! Wir werden von allen Seiten versorgt und gute Wünsche und Gebete begleiten uns. Also kein Grund zu verzweifeln, sondern ein Grund zu danken. Und das möchte ich gerne tun, wenn ich genügend gejammert, geklagt und geschimpft habe.
Alles, was ich denke und fühle, findet bei Gott seinen Raum. Am Ende bleibt ein „Gott sei Dank“ dafür!

Glaubenssache:
Etiketten

Von Pfarrer i.R. Ulrich Trzeciok

Etiketten finden wir an Kleidungsstücken und auf vielen Verpackungen in den Kaufläden. Sie sollen den Kunden zeigen, was da alles drinsteckt. Aber stimmt das immer? Es wird auch vor Schwindeletiketten gewarnt.

Der 1. Mai trägt gleich mehrere Etiketten, die ihm im Lauf der Zeit aufgeklebt wurden. Wie steht es damit? 1. Mai, Tag der Arbeit. Er hat seinen Ursprung in Amerika. Nicht als staatlicher Feiertag mit Lohnfortzahlung, sondern als Streik- und Kampftag für die Rechte der Arbeiterschaft und bessere Arbeitsbedingungen. Ab 1890 gab es auch im deutschen Kaiserreich am 1. Mai Streiks und Demonstrationen. Er wurde als internationaler Tag der Arbeiterbewegung ausgerufen. Arbeitgeber reagierten mit Aussperrungen und Entlassungen. Klassenkampf.
Die Nationalsozialisten haben ihn dann ab 1933 als „Tag der nationalen Arbeit“ zum Staatsfeiertag gemacht, aber zugleich ein Schwindeletikett aufgedrückt: Entmachtung und Zerschlagung der Gewerkschaften, Vereinnahmung und Gleichschaltung der Arbeiterbewegung im nationalsozialistischen Unrechtssystem. 

In der Demokratie der Nachkriegszeit ist der Feiertag geblieben, aber wieder zum Tag der Gewerkschaftskundgebungen geworden.
Heute freilich hat sich ein anderes Etikett am 1. Mai durchgesetzt: Beginn des „Wonnemonats“, hinaus in die aufblühende Natur. „Der Mai ist gekommen … .“ haben die Romantiker im 19. Jahrhundert gedichtet und gesungen. – Von der Romantik beeinflusst ist auch ein weiteres Etikett: „Maria, Maienkönigin“. Die katholische Kirche hat diesen Monat der Verehrung der Mutter Jesu gewidmet. Ich erinnere mich noch gut an die feierliche Eröffnung der Maiandachten am 1. Mai , als ich noch Messdiener in Kassel war. – Im Jahr 1955 hat dann Papst Pius XII noch ein weiteres Etikett hinzugefügt: 1. Mai, Gedenktag des heiligen Josef, des Arbeiters. Der irdische Vater Jesu war nach dem Zeugnis des Evangeliums ein „Tekton“, ein Bauarbeiter, Zimmermann. Hier schließt sich der Kreis wieder zur Arbeiterbewegung. 

Der 1. Mai ist ein Tag mit vielen Etiketten. Da wird wohl jeder etws passendes Finden. Wenn man ihn nur noch als zusätzlichen Urlaubstag sieht, passen Etikett und Inhalt nicht mehr zusammen.

Ulrich Trzeciok ist Stadtpfarrer im Ruhestand und Geistlicher Rat aus Naumburg.


24. April

Wort zum Sonntag:
Der gute Hirt

Von Diakon Jürgen Jaklin

1987 war ich mit meiner Familie zu Besuch in der Eremitage in Leningrad.

Dort sah ich das schönste Bild, was ich je gesehen habe.

Am Ende des Flures hing ein Bild in Türgrösse. Mir kam eine Schafherde aus dem Nebel entgegen. Das Bild war so imposant und friedlich, dass ich mich von dem Bild gar nicht trennen konnte.

Jesus will auch unser gute Hirt sein. Ich bin die Tür zu den Schafen - steht im heutigen Evangelium. Viele von uns kennen die Schafe nur aus der Zeitung, wenn berichtet wird, dass ein Wolf sie gerissen hat. Ja, auch wir leben unter Wölfen und können uns oft nicht wehren!

Das Angebot Jesu an uns: Der gute Hirt gibt sein Leben für die Schafe! Unsere Osterliturgie hat uns dies wieder einmal mehr in Erinnerung gerufen!

Wir leben momentan in unruhigen Zeiten! Oft wissen die Leute alles besser! Wir wissen, dass wir einen haben, nämlich Jesus, der wie mit den Emmausjüngern an unserer Seite geht und immer für uns da ist. Lieber guter Hirte wir danken dir dafür!

Jürgen Jaklin ist Diakon der katholischen Kirchengemeinde St. Peter in Hofgeismar.

Glaubenssache:
„Berühr mich nicht!“

Von Pfarrer Jens Holstein

Jens Holstein ist Pfarrer der Klinik in Bad Emstal-Merxhausen.

Sexualisierte Gewalt. Die evangelische Kirche will auch in der Region Betroffene ermutigen. So war es letzte Woche in der Wolfhager Ausgabe der HNA zu lesen. Ist das Thema nun auch bei uns angekommen? Offenkundig, und das ist gut.

Sexualisierte Gewalt löst schweres Leid aus. In einer psychiatrischen Einrichtung wie in Merxhausen wird das vielfach deutlich. Opfer solcher Gewalt sind an ihrer Seele schwer verletzt, sind auch im Nachhinein ohnmächtig gegenüber dem, was ihnen widerfahren ist. Deshalb können sie kaum ihre eigenen Belange öffentlich vertreten. Denn zu allem Leid kommt obendrein die Scham über die zugefügten Verletzungen. Oftmals ist das Leben der Opfer auf Dauer beschädigt oder gar zerstört. Und da sind die Täter, die nicht von ihrem zerstörerischen Tun ablassen können. Meist gehen sie heimtückisch vor, suchen sich arglose und schutzbedürftige Opfer. Dabei zerstören sie häufig auch ihr eigenes Leben.

Nun ist nicht jeder Übergriff ein schwerer Missbrauch. Aber es gilt zu erkennen, wo eine Grenze überschritten, die körperliche Selbstbestimmtheit des Gegenübers nicht respektiert wird. Und es gilt, nicht wegzuschauen. Wo Grenzüberschreitungen bemerkt werden, muss das sofort angesprochen und klar benannt werden. Deshalb ist es gut, dass die Kirche in unsere Region dieses durchaus unangenehme Thema aufgreift und dafür sensibilisiert, um Schaden abzuwenden. Kirche muss die Betroffenen unterstützen und stärken, umso mehr wenn die Übergriffe im Kontext von Kirche geschehen sind. Denn nur dann ist Kirche eine Gemeinschaft, die von gegenseitigem Vertrauen bestimmt ist und zu der sich Menschen zugehörig fühlen.


17. April

Gedanken zum Sonntag:
...und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Von Pfarrerin Ulrike Bundschuh

Ulrike Bundschuh ist Diakoniepfarrerin im Landkreis Kassel.

Morgen am Sonntag des guten Hirten gedenken wir in einem großen ökumenischen Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin der Menschen, die in den letzten 13 Monaten an Covid-19 gestorben sind. Fast 80 000 Menschen sind es inzwischen in Deutschland, fast 3 Millionen weltweit. Um jeden einzelnen Menschen trauern Angehörige, jede und jeder wird von Freundinnen und Freunden vermisst.

Wir gehen in dieser Pandemie durch ein finsteres Tal und hoffen doch, dass Gott mit uns geht – wie ein guter Hirte. Er achtet darauf, dass die Herde zusammenbleibt. Er nimmt jedes einzelne Schaf aufmerksam wahr. Er geht auch dem einen nach, das sich verlaufen hat.

Dieses Vertrauen gibt uns die Kraft, Schritt um Schritt gelassen und tapfer unseren Weg zu gehen und füreinander einzutreten, so dass alle mitkommen: Die Trauernden, die vielleicht nicht einmal Abschied nehmen konnten. Diejenigen, die seit über einem Jahr unermüdlich für die Kranken sorgen; es wird Zeit, dass ihre Arbeit endlich mehr Anerkennung findet! Die, die allein leben und unter der Einschränkung der Kontakte besonders leiden. Die, die es mit sich oder in ihren Familien, in der Schule oder im Beruf schon schwer hatten und nun noch mehr unter Druck geraten. Die Kinder und Jugendlichen, die ihre Freundinnen und Freunde vermissen; die jungen Erwachsenen, die gerade richtig loslegen wollen – und nun steht alles still.

Ich vertraue darauf, dass Gott als guter Hirte mit ihnen allen und mit uns durch diese Krise geht und niemanden zurücklässt, auch nicht im Tod. So wie es der 23. Psalm verspricht: „Der Herr ist mein Hirte …und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“

Glaubenssache:
Alles hat ein Ende...


Von Jürgen Krackrügge

Jürgen Krackrügge ist Mitarbeiter in der Freien evangelischen Gemeinde in Ippinghausen.

Sie wissen vermutlich, wie dieses geflügelte Wort weitergeht. Mir soll es bei diesem Artikel nicht um die Wurst mit den zwei Enden gehen, die in einem Lied als Bild für eine zerbrechende Beziehung genommen wird. Es geht auch nicht um das von allen herbeigesehnte Ende der Pandemie. Ich möchte von einer menschlichen Hoffnung schreiben, die eben kein Ende hat.

Morgen ist der zweite Sonntag nach Ostern. Das Osterfest sollte uns auch über die Feiertage hinaus immer wieder zur Freude anregen, dass Christus mit seiner Auferstehung Hoffnung für unser Leben gibt. Diese Hoffnung, hat ihren Grund in dem großartigen Versprechen Jesu, das er seinen Freunden gab.

Bei einem Gespräch mit ihnen sagte er, nachzulesen im Johannesevangelium Kap.14 Vers 19: „Die Welt wird mich schon bald nicht mehr sehen, doch ihr werdet es. Denn ich werde leben, und ihr werdet auch leben.“

Zu der Zeit, als Jesus das sagte, war es für seine Jünger kaum zu verstehen, was er damit meinte. Sterben und Tod, das passte nicht in ihre Vorstellung von einem Leben mit Jesus. Dann mussten sie den furchtbaren Karfreitag erleben mit einem sterbenden Herrn am Kreuz. Erst nach der Auferstehung Christi war für sie klar, was ihr Herr mit seinem Versprechen auf die Zukunft gemeint hatte. Und diese Hoffnung verkündigten sie später der gesamten Welt.

So lebe ich auch damit, dass dieses Versprechen Jesu mir Hoffnung gibt für das Leben heute und auch für meine Zukunft in Gottes neuer Welt. Diese Hoffnung hat kein Ende, sie führt alle Menschen, die ihr Leben Jesus Christus anvertrauen, in eine ewige Zukunft im Himmel. Das ist wirklich eine großartige Perspektive, Gott sei Dank dafür!


10. April

Gedanken zum Sonntag:
Nur Liebesbriefe

Von Schulpfarrerin Anne Hammann

Liebe Leser*innen, kommt es Ihnen auch so vor? In der Corona-Zeit werden wieder mehr Briefe geschrieben. Nein, ich spreche nicht von E-Mails, sondern von „richtigen“ Briefen auf Papier, vielleicht sogar mit Tinte verfasst. Ich könnte mir vorstellen, dass es Ihnen da genauso geht wie mir: Einen Brief zu bekommen, geschrieben in der vertrauten Handschrift der alten Schulfreundin, ist immer eine große Freude! Und wenn man den Schwung solcher Freude auslebt, setzt man sich gleich hin und schreibt ihr zurück.

Wenn ich meine geschriebenen und frankierten Briefe zum nahegelegenen Briefkasten bringe, um sie einzuwerfen, leuchten mir schon von Ferne die großen schwarzen Buchstaben entgegen, die ein Sprayer darauf gesprüht hat: Nur Liebesbriefe!

Ich gestehe, dass ich diese 2 Worte einfach genial finde. Ja, wir sollten nur liebevolle, aufmunternde, erfreuliche Briefe schreiben - Liebesbriefe im weitesten Sinn (im engeren Sinn natürlich auch!). Briefe, die vielleicht mehrmals gelesen und in der „Schatzkiste des Lebens“ aufbewahrt werden.

Am genialsten wäre es natürlich, wenn wir selbst – in Person gewissermaßen – Liebesbriefe wären. Menschen also, die einfach durch ihr So-Sein lesbar wären als von Christi Liebe und Auferstehung zeugend.

So hat sich das jedenfalls der Apostel Paulus vorgestellt und von seinen Gemeinden gewünscht: „Ihr seid unser Brief, in unser Herz geschrieben, erkannt und gelesen von allen Menschen! Ist doch offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid, durch unsern Dienst zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln, nämlich eure Herzen.“ (2. Korinther 3, 2f.)

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sonntag!

Anne Hammann ist Schulpfarrerin an der Arnold-Bode-Schule in Kassel.

Glaubenssache:
Wie neu geboren

Von Lektor Günter Schnellenpfeil

Günter Schnellenpfeil ist Lektor der Gemeinden Balhorn/Altenstädt in der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche.

So richtig freuen? Nein. Es war und ist immer noch nicht ausgestanden. Die Pandemie – Sie wissen schon. Wir warten auf Freiheit und Durchatmen.

Im 1.Petrusbrief 1v 3 stimmt der Schreiber eine andere Melodie an: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ Es ist die Melodie der Freude und der Hoffnung - der Auferstehung Jesu. Aber das Osterfest hat es nie leicht gehabt. Schon immer gab es Zweifel. Es ist eine Zumutung für den Jünger Thomas. Er zweifelt, will es begreifen. Auch ich erlebe Zweifel. Zweifel und Glauben sind dicht beieinander.

Aber das Petruswort ist das Bekenntnis zu einem neuen Leben. „Wie neu geboren“ haben sich die Christen nach Ostern erlebt. Dass, was am Ostermorgen geschehen ist, hat eine Kraft, Menschen zu verändern. Diese Botschaft hat die Kraft, Hoffnung und Glaube entstehen zu lassen, obwohl noch nicht alles gut ist. „Wie neu geboren“ haben sich vermutlich die zwei Jünger gefühlt, als sie am Abend in Emmaus mit dem auferstandenen Jesus zusammensitzen und er das Brot bricht. Ihre dunkle Welt der Trauer und des Todes bricht auf, weil er lebt und den Tod besiegt hat. „Wie neu geboren“ laufen sie zurück und sagen es weiter: Er ist auferstanden! Nun wird für sie auf einmal alles sinnvoll: Das Sterben Jesu und ihre Nachfolge. Der Tod hat verloren, eine neue Welt ist versprochen.

Es macht Sinn, sich schon heute darauf zu freuen. Wie neu geboren fühlen sich Menschen bis heute, die die Osterbotschaft hören und ihr Vertrauen! Trotz aller Zweifel bleibt es dabei:  Er ist auferstanden. Gott lässt uns nicht allein. Am Ende wird wirklich alles gut.


4. April - Ostersonntag

Video-Andacht aus dem Kirchenbezirk Wilhelmsthal-Liebenau


Video-Andacht aus dem Kirchspiel Oedelsheim


Geistlicher Impuls zum Hören aus dem Kirchenbezirk Wilhelmsthal-Liebenau



3. April

Gedanken zum Sonntag:
Aktivierungsprogramm

Von Pfarrer Daniel Fricke

Daniel Fricke ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Bad Karlshafen-Helmarshausen.

Wenn Träume platzen, dann ist man am Boden. Wenn Erwartungen sich nicht erfüllen, dann ist man enttäuscht. Wenn alles gegen einen läuft, dann verliert man die Lust.

So geht es den Freunden von Jesus damals. Sie haben alle Hoffnung auf ihn gesetzt. Sie haben ihr altes Leben an den Nagel gehängt und sind Jesus gefolgt. Was haben sie nicht alles hinter sich gelassen, um mit ihm unterwegs zu sein: Familie, Freunde, Besitz. Jetzt ist die Reise zu Ende. Jesus ist tot. Niedergeschlagen und traurig gehen sie aus Jerusalem weg. Sie haben alles verloren. Mühsam setzten sie einen Schritt vor den anderen. Sie trotten von dannen.

In der Bibel lesen wir von zwei Jüngern denen Jesus kurz nach seinem Tod begegnet. Sie erkennen ihn nicht. Sie sind zu traurig. Erst als Jesus am Abend mit ihnen zusammensitzt, merken sie, wer es ist. Dann kann sie nichts mehr halten. Den langen Weg nach Jerusalem rennen sie im Eiltempo zurück. Ostern ist auch dieser fröhliche Wandel: vom gebückten Schleichen zum freudigen Sprint. Ostern ist Hoffnung auf Auferstehung. Dort wo nichts mehr ging, geht mit Gott noch was.

Ich wünsche uns diese Aktivierung: Hoffnungssprünge gegen den Coronablues. Wenn du glaubst es geht nichts mehr, kommt von irgendwo der Auferstandene her. In diesem Sinne: frohe Ostern!

Glaubenssache:
Karsamstag

Von Lektorin Anja Mueller-Opfermann

Anja Mueller-Opfermann ist Lektorin in der Ev. Kirchengemeinde Wolfhagen.

Karsamstag der Tag, über den es im Glaubensbekenntnis heißt „hinabgestiegen in das Reich des Todes.“ Die Gefangennahme, Verurteilung und Kreuzigung Jesu liegen hinter uns. Ein dicker Stein wurde vor das Grab gewälzt. Jesus ist tot, nichts geht mehr.

Karsamstag, Zeit der Stille, der Traurigkeit und des Nachdenkens. Und doch geschieht etwas, ganz im Verborgenen. Im Johannesevangelium heißt es „Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“

Das Weizenkorn liegt unter der Erde. Die Vorbereitung des Bodens und das Säen sind beendet. Jetzt kann niemand mehr etwas tun. Nichts passiert, alles ist still, die Zeit des Wartens beginnt. Doch unter der Erde tut sich etwas. Das Weizenkorn hat Wurzeln gebildet. Es hat die dunkle Erde durchdrungen und ein kleiner grüner Halm schiebt sich ans Licht, Welch eine Veränderung!

Und Jesus hinter seinem dicken Stein? Es gibt eine Geschichte, von der man selten im Gottesdienst hört, die aber besonders Künstler, wie zum Beispiel Albrecht Dürer, in ihren Bildern aufgreifen. Darin steigt Jesus nach seinem Tod hinab in das Totenreich und bringt ein Licht dorthin, wo es immer dunkel ist. Er durchdringt die Finsternis und bringt allem, was tot ist, die frohe Botschaft „Gott hat den Tod besiegt.“ Es wird der Tag kommen, an dem alles voller Licht und Leben ist.

Im Glaubensbekenntnis heißt es weiter „auferstanden von den Toten“ Jesus hat den Tod überwunden und das Tor zum Leben aufgestoßen. Er kommt auch zu uns, um uns allen das Licht der Hoffnung und des Lebens zu bringen

Ostern - schon morgen ist es soweit, Halleluja.


Karfreitag - 2. April

Video-Andacht aus dem Kirchenbezirk Wilhelmsthal-Liebenau


Video-Andacht aus dem Kirchspiel Oedelsheim


Video-Andacht aus dem Kirchspiel Bad Karlshafen-Helmarshausen



Gründonnerstag - 1. April

"Augenblick"- Botschaft der Klosterkirche Lippoldsberg zum Gründonnerstag - das Miteinander feiern

Anregung für ein häusliches Jesusmahl am Gründonnerstag:
Augenblick 57 – Gründonnerstag HANDREICHUNG.pdf (231.17KB)
Anregung für ein häusliches Jesusmahl am Gründonnerstag:
Augenblick 57 – Gründonnerstag HANDREICHUNG.pdf (231.17KB)



27. März

Gedanken zum Sonntag:
Stille statt Jubel und doch ist er da

Von Gemeindereferentin Julia Wenigenrath

Julia Wenigenrath ist Gemeindereferentin im katholischen Pastoralverbund St. Peter Hofgeismar-Weser-Diemel.

Es ist wieder soweit, mit dem heutigen Palmsonntag wird wie jedes Jahr die Karwoche eröffnet. An diesem Sonntag erinnern wir uns an den Einzug Jesu in Jerusalem. Er ritt damals auf einem Esel in die Stadt ein und wurde dabei bejubelt wie ein König. Die Menschen damals empfingen ihn voller Hoffnung, einige legten ihm ihre Kleidung zu Füßen und andere schwenkten Palmenzweige zum Gruß.

Jesus der König der Könige, der die Menschen liebt, ihnen Hoffnung schenkt und sich ihnen zuwendet. Aber auch in diesem Jahr bleibt die gemeinsam nachempfundene Freude vor Ort aus. Wir müssen die Karwoche im Geiste vereint begehen und es bleibt still und verhalten in unseren Kirchen beim Osterfest. Orte in denen gerade dann Jubel und Gesang herrschen sollte, werden von Angst und trauriger Stille gefüllt. Doch auch unserem Osterfest geht das Leid Jesu und die Trauer seiner Freunde und Mutter voraus.

Nur durch seinen Leidensweg können wir auch heute noch auf ein Leben nach dem Tod hoffen. Das allein macht ihn für mich gerade jetzt zu einem guten Wegbegleiter. Durchhalten – in einer Zeit, in der wir Vieles aushalten müssen, machtlos sind und für einander mehr Verzicht üben müssen denn je.

Glaubenssache:
Segen für alle

Von Pfarrerin Kathrin Wittich-Jung

Kathrin Wittich-Jung ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Wolfhagen.

Manchmal wünsche ich mir einen Ort, an dem ich ganz ich selbst sein kann. Einen Ort, an dem keine etwas von mir will. Wo ich keiner Rolle gerecht werden muss, kein Klischee erfüllen oder nicht erfüllen muss. Ich wünsche mir einen Ort, wo ich so angenommen bin, wie ich bin. Mit all meinen Ecken und Kanten und all dem liebenswerten. Es ist ein Ort, der uneingeschränkten Akzeptanz.

Ich glaube, einen solchen Ort finde ich beim Segen. Der Segen wird mir am Ende des Gottesdienstes zugesprochen. Gott wirkt den Segen. Nicht der Pfarrer oder die Pfarrerin oder der Priester.

Wenn ich gesegnet werde ist das immer ein besonderer Moment. Gerade, wenn der Segen mir persönlich gilt. Da werden Hände aufgelegt und alte Worte gesagt und ich fühle mich so behütet und bin berührt.

Und ich merke, dass sein Segen im Leben wirkt. Nicht, dass er alles heil macht. Aber er stärkt mich.

Als Pfarrerin spreche ich Menschen oft den Segen zu. An ganz unterschiedlichen Momenten im Leben. Bei der Taufe, der Konfirmation, der Trauung und auch am Sterbebett und am Grab.

In aller Offenheit und ohne Vorbehalte. Die Menschen, die zu mir kommen und um einen Segen bitten, sind willkommen. Egal, ob fest glauben oder zweifeln. Egal, ob sie in einer hetero- oder homosexuellen Beziehung leben, die gesegnet werden soll. Egal, wo sie herkommen und was für eine Geschichte sie haben. Sie sind willkommen. Denn so verstehe ich den Segen: Die Unterschiede, die wir Menschen häufig machen, sind im Segen nicht wichtig. Da zählt allein der Mensch. Der Segen ist ein Raum der absoluten Akzeptanz, in den ich hineingenommen werde und in dem ich so angenommen bin, wie ich bin.  Gottes Segen gilt uns allen. Denn in der Bibel sagt Gott: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“


20. März

Gedanken zum Sonntag:
Frühlingsglaube

Von Pfarrer Dr. Jochen Gerlach

Dr. Jochen Gerlach ist leitender Pfarrer in der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen.

Die linden Lüfte sind erwacht, / Sie säuseln und weben Tag und Nacht, / Sie schaffen an allen Enden. O frischer Duft, o neuer Klang! / Nun, armes Herze, sei nicht bang! / Nun muss sich Alles, - Alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag, / Man weiß nicht, was noch werden mag, /Das Blühen will nicht enden. Es blüht das fernste, tiefste Thal: / Nun, armes Herz, vergiss der Qual! / Nun muss sich Alles, Alles wenden. (Ludwig Uhland 1787-1862)

Ja, ich mache die wunderschönen Frühlingsspaziergänge. Ja, ich mache sie in Coronazeiten auch mehr als sonst. Ja, ich spüre die linden Lüfte, den frischen Duft. Die Welt wird schöner mit jedem Tag, ja!

Ganz gegenläufig lese und höre ich jeden Tag von den steigenden Infektionszahlen. Sie ziehen mich runter. Ich wünsche und hoffe: Nun muss sich Alles, Alles wenden. Ich bin Realist: Unser alle Kontakte ermöglichen dem Virus den Sprung von Mensch zu Mensch. Mein Frühlingsglaube ist erschüttert. Vielleicht hilft mir der Osterglaube. An Jesu Weg sehe ich wie Gott durch das Leiden zur Auferstehung führt. Gott mutet uns dieses Virus zu, ja. Es bleibt mir nur ein realistisches Hoffen. Realistisch: es kommt auf unser aller Handeln an. Hoffen: nach viel Geduld wird sich Alles, Alles wenden. 


 

Glaubenssache:
Reset - Alles auf Anfang!

Von Pfarrer Karl-Alfred Dautermann

Irgendwie ist es in diesem Jahr anders, das Warten auf den Frühling. Die Pandemie erzwingt von uns ein langes geduldiges Warten. Warten auf die Impfung, Warten auf langvermisste Kontakte, Warten auf den Neustart in Arbeit, Familie und Freizeit. Auf die Großwetterlage haben wir eben nur sehr bedingt Einfluss.  

Vielleicht bin ich deshalb diesmal so empfindsam für die kleinen Anfänge. Als im Februar nach der großen Kälte mit herrlichem Schnee die Sonne mit voller Macht und rekordverdächtigen Temperatursprüngen von fast 40 Grad Unterschied hervorkam, da zog es die Menschen magisch nach draußen. Was soll man auch sonst tun in Pandemiezeiten? Und so war es ein Leichtes, die kleinen wunderschönen Neuanfänge zu entdecken. Das erste Schneeglöckchen, den ersten Winterling oder Krokus, den ersten Lerchengesang auf dem Feld. Das tut der Seele unendlich gut. Kein Wunder, dass man die Lebensjahre auch nach „Lenzen“ zählt. Bei manchem Hochbetagtem habe ich es schon erlebt. Wenn erst einmal der Winter und die Dunkelheit überstanden sind, dann gibt es wieder einen neuen Aufschwung, neue Lebenskraft.

Das kommende Osterfest spricht dabei von einem noch viel größeren Neubeginn, einem Reset, der alle Frühlingsgefühle übersteigt und auch das Ende der Pandemie. Eines Tages werden wir über Corona reden als wäre es lang vergessen. Aber den Neustart Gottes in Jesus Christus, dieser Sieg über Hölle, Tod und Teufel, der bleibt bis in Ewigkeit. Der Sieg der Liebe, die stärker ist als der Tod, wird uns noch dann begleiten, wenn wir das Zählen nach unseren Lenzen bereits aufgehört haben und man die Zahlen unseres Lebens in einen Grabstein gemeißelt hat.

In meiner alten Heimat gibt es am Rand des Teutoburger Waldes die sogenannten Waldgräber. Betuchte Mitbürger durften ihre Ruhestätten mit grandioser Aussicht auf das westfälische Land gestalten. In jedem Frühjahr wächst auf diesen Gräbern ein Meer von Winterlingen. Was für ein wunderbares Bild. Der Sieg des Frühlings über den Winter vereint mit der Hoffnung der Ewigkeit. Da kann man durch- und aufatmen. Dieses Durchatmen, diese Freude über Jesus, wünsche ich Ihnen für die kommenden Tage. Dann lässt sich auch das Warten gut ertragen.

Pfarrer Karl-Alfred Dautermann ist Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Wolfhagen-Ippinghausen und Bad Arolsen.

 

13. März

Gedanken zum Sonntag:
Und alles bekam einen Sinn

Von Pfarrer i.R. Karl Christian Kerkmann

Karl Christian Kerkmann ist evangelischer Pfarrer und war bis zum Eintritt in den Ruhestand Seelsorger für die Ev. Altenhilfe Gesundbrunnen sowie das Ev. Krankenhaus in Hofgeismar. (Foto: Blofield)

An einem Vorfrühlingstag war ich allein im Wald und lauschte seinem Rauschen. Ich dachte an meine Unruhe während der letzten drei Jahre, an mein Suchen nach Gott, an mein dauerndes Schwanken zwischen Freude und Verzweiflung. Und plötzlich sah ich, dass ich nur lebte, wenn ich an Gott glaubte. Wenn ich nur an ihn dachte, erhoben sich in mir die frohen Wogen des Lebens. Alles ringsum belebte sich, alles bekam einen Sinn. Aber sobald ich nicht mehr an ihn glaubte, stockte plötzlich das Leben. – „Was suche ich also noch?“ rief eine Stimme in mir. „ER ist es doch, ohne den man nicht leben kann! Gott kennen und leben ist eins. Gott ist das Leben …“ Seitdem hat mich diese Leuchte nie mehr verlassen. (Gedanken des Schriftstellers Leo Tolstoi).

„Sobald ich nicht mehr an ihn glaubte“, könnte bedeuten:
Wenn der Sinn, der mich trägt, überdeckt wird durch sorgenvolle Gedanken – oder auch nur durch das Gefühl, durch die Gewohnheit: Alles ist doch selbstverständlich …

Und plötzlich ist vieles, sehr vieles nicht mehr selbstverständlich – in Zeiten von Corona.
Und wir erkennen vielleicht sogar: nichts ist selbst-verständlich. Jeder Vogel, jede Sonnenstunde, jeder Regentag. Alles erinnert uns an die Sinnhaftigkeit des Lebens.
Erst recht jedes Lächeln, das man trotz Maske in den Augen erkennt, jede schöne Begegnung im Alltag, auf der Straße, beim Einkaufen.
„Gott ist das Leben…“, und alles bekommt einen Sinn.
Möge „diese Leuchte“ uns immer begleiten, er-heitern und er-mutigen!

6. März

Gedanken zum Sonntag


Von Pfarrer Stephan Bretschneider

Stephan Bretschneider ist Pfarrer für die Ev. Stadtkirchengemeinde Hofgeismar.

Seit mittlerweile ziemlich genau einem Jahr prägt „Corona“ unseren Alltag – ein eher bedrückendes „Jubiläum“. Nein, zum fröhlichen Feiern dieses ersten Jahrestages besteht wahrhaftig kein Anlass. Und es zeichnet sich ab, dass „Corona“ uns auch weiterhin beschäftigen und mancherlei Mühe machen wird. Das sind ehrlich gesagt nur bedingt gute Aussichten. Doch wir müssen uns dem stellen und können nicht so tun, als gäbe es das alles nicht.

Aber eins möchte ich dann doch nicht: mich von „Corona“ beherrschen lassen. Ja, „Corona“ schränkt mich ein, es bedrückt mich auch - das ist wohl wahr. Aber beherrschen lassen will ich mich auch weiterhin viel lieber von anderen Dingen, z.B.

- von den Aufbrüchen des Frühlings, die wir in diesen Tagen in der Natur erleben können,

- von freundlichen Begegnungen, die auch jetzt möglich sind,

- von der Wohltat der Reduzierung von mancherlei, das einfach zu viel geworden war (und das „Dank Corona!“ zurückgefahren werden musste),

- von der Barmherzigkeit Gottes, die ich noch immer an so vielen Stellen im Leben entdecken  kann.

Und dann fällt es auch gar nicht mehr so schwer, das Leben im Sinne jenes Jesuswortes zu leben und zu gestalten, das für dieses Jahr die Jahreslosung ist: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Lk 6, 36). Ja, davon will ich mich wohl beherrschen und leiten lassen.


Glaubenssache:
Nach vorne sehen

Von Pfarrer Friedemann Rahn

Friedemann Rahn ist Pfarrer für die Ev. Kirchengemeinde Zierenberg.

Die Lage ist ernst, und das schon seit einem Jahr. Für manche ist sie mittlerweile bitterernst. Und das wird nicht weggehen.

Ob glaubende Menschen besser durch diese Zeit kommen? Auch Christen leiden an fehlenden Begegnungen. Auch Christen müssen in Kurzarbeit, auch ihnen wird gekündigt. Auch Christen verlieren plötzlich liebe Menschen. Da kann das ganze Leben ins Schlingern geraten. Kommen glaubende Menschen damit besser klar?

Vielleicht haben sie einen anderen Fokus. Der Wochenspruch spricht auch vom Ernst, dem „Ernst der Nachfolge“. Jesus sagt da: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Ein klares Bild für eine klare Haltung. Wer geradeaus pflügen will, braucht die richtige Technik. Die Aufgabe ernst nehmen. Nicht an den Furchen orientieren. Sondern einen Punkt am Horizont fixieren – und anfangen.

So soll es auch in einem Leben mit dem Glauben sein: Das Leben ernst nehmen, wie es jetzt gerade ist. Und dann nach vorn gehen, ohne sich daran zu orientieren, ob die Spur bis eben noch geschlingert hat. Das ist ganz schön radikal. Heißt das, es spielt keine Rolle, was mein Leben bisher ausgemacht hat? Die schönen, die gesunden Jahre? Das, was ich erreicht und mir aufgebaut habe?

Doch, schon. Aber nicht der Schmerz über Verlorenes soll mich bestimmen. Sondern die Hoffnung. Wichtig ist, wie ich die Furchen meines Lebens ab jetzt ausrichte, selbst wenn da Brüche oder ungerade Etappen hinter mir liegen. Der Punkt am Horizont: das Vertrauen, dass Gott noch Gutes für mein Leben bereithält. Da soll die Reise hingehen.

Das macht den Unterschied aus zwischen Hierbleiben und Aufbrechen, zwischen Verharren bei den Bruchstücken meiner Lebensgeschichte – und einen Fuß in die Zukunft setzen. Auch für glaubende Menschen ist das Leben eine ernste Sache. Aber der Fokus ist ein anderer.


27. Februar

Gedanken zum Sonntag:
Veränderung

Von Pfarrer Martin Schöppe

Martin Schöppe ist Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Peter in Hofgeismar.

Die Umfrage auf einem Internetportal zeigt ein für mich unerwartetes Ergebnis. Für die überwiegende Mehrheit der Menschen in unserem Land ist die Vorstellung von Veränderung eher negativ belegt, so die Umfrage.

Erfahrungen in meinem beruflichen Alltag bestätigen mir das. Ich denke, dass ein großer Teil Unzufriedenheit während der Corona-Pandemie auch daher kommt, dass sich Menschen in vielen Lebensbereichen verändern müssen aber es meistens nicht wollen.

Die Krise zeigt wie unter einem Vergrößerungsglas das atemberaubende Tempo mit dem sich die Gesellschaft verändert: soziale Beziehungen, berufliche Perspektiven, Digitalisierung, Freizeit. Auch Kirche, Religion und Wertvorstellungen sind davon nicht ausgenommen.

Andererseits gibt es die Erfahrung, dass eine Krise hilfreich sein kann Schritte im Leben zu unternehmen, zu denen ich vorher nicht den Mut gehabt hätte. Ich denke, Veränderung heißt nicht Überzeugungen aufzugeben, sondern sie neu zu buchstabieren. So versuche ich es gerade jetzt positiv zu sehen, das Einzige was im Leben immer bleibt: die Veränderung.

Glaubenssache:
#Hoffnunghamstern

Von Pfarrerin Kathrin Wittich-Jung

Kathrin Wittich-Jung ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Wolfhagen.

Ich hamstere seit neustem. Aber keine Dosentomaten, Nudeln oder Toilettenpapier. Ich hamstere Hoffnung: Unter dem Hashtag #hoffnunghamstern finden sich unzählige Bilder, die von Hoffnung erzählen. Die Aktion stammt aus der Arbeit mit Konfirmanden und soll den Jugendlichen helfen, durch die Krise zu kommen. Die Konfirmanden erstellen Hoffnungsbilder und posten sie dann unter dem Hashtag #hoffnunghamstern. Und es entstand so eine richtig tolle Bilderwand voller Hoffnung:

Bilder, die gute Laune machen. Sie zeigen mir, dass das Leben schön ist – trotz Pandemie und Kontaktbeschränkungen. Sie zeigen, was das Leben lebenswert macht: Ein schöner Sonnenuntergang. Mutworte mit Kreide auf die Straße gemalt. Manche erzählen, worauf sie sich nach der Corona-Pandemie freuen: Auf Reisen und unbeschwerte Familienbesuche. Auf einen schönen Abend mit Freunden im Restaurant.

Ich stöbere durch die Bilder und Texte und merke, wie es mir guttut. Für diesen Moment gibt es keine neuen Corona-Fallzahlen oder neue Todeszahlen. Hoffnung schleicht sich in mein Herz.

Das sind oft eher die kleinen Momente: Der Milchkaffee in der Sonne auf der Terrasse oder das Videotelefonat mit Freunden. Während wir da so sitzen und reden, wächst die Hoffnung, dass wir uns wiedersehen werden. Auch wenn überhaupt nicht klar ist, wann. Aber wir werden uns wiedersehen, zusammen essen und feiern. Und dann versuche ich das gute Gefühl zu hamstern und mir so einen Vorrat Hoffnung für die schlechten Tage aufzubauen. Davon zehre ich. Und immer, wenn wieder ein schöner Moment direkt vor mir liegt, nehme ich in mir mit – in meinen Hoffnungsvorrat.


20. Februar

Gedanken zum Sonntag:
Von der Wiederkehr der Präsenz

Von Pfarrerin Christina Schnepel

Chrstina Schnepel ist Pfarrerin und Studienleiterin für nachhaltige Entwicklung, weltweite Ökumene, Landwirtschaft und Soziales an der Evangelischen Akademie Hofgeismar.

Nun warten wir schon eine ganze Weile auf die Wiederkehr von Präsenz: Tanzen mit vielen, Essengehen, Umarmungen in der Clique, das Sitzen im Theater, Gemeindefeste. Wir leben in dürren Zeiten und die Sehnsucht wächst, bei manchen gar die Unruhe, bis Ungeduld.

Das ist gut so. Wer jetzt keine Sehnsucht, keinen Hunger nach Präsenzkultur und Kulturpräsenz spürt, der hat viel vergessen. Die Empfindung des Mangels hält uns wach für die Erwartung.

Wir sehnen uns neu nach der feierlichen Präsenzkultur von Kirche mit Gemeindegesang, Segen und Abendmahl. Das wartet auf mich, ich spüre das – und sehne mich. Die ersten Christ:innen lebten in einer lebendigen Naherwartung. Sie sehnten die Wiederkehr Jesu Christi herbei und speisten ihre Energie aus dem Empfinden der Gegenwart Jesu.

Mit der Kunst des Wartens und Ausharrens kennt sich die theologische Tradition seitdem gut aus, pflegt Fastenzeiten oder stilles Gebet. Aber wie ist es mit der Kunst der Ungeduld? Die Jünger der Emmausgeschichte haben ihre Ungeduld zum Anlass genommen, haben sich auf den Weg gemacht und sind gerade dabei überraschend der Präsenz Jesu begegnet.

Bis dahin pflege ich weiter Fastenzeit mit Abstand, mache mich innerlich auf den Weg und erwarte ungeduldig die Wiederkehr der Präsenz.

(nach einer Idee von Prof. Dr. Philipp Stoellger)

13. Februar

Hahl dunne!

Von Dekan Wolfgang Heinicke

Wolfgang Heinicke ist Dekan des Ev. Kirchenkreises Hofgeismar-Wolfhagen.

Ich bin zwar nicht am Rosenmontag geboren. Und schon gar nicht wie Margot Sponheimer in Mainz am Rhein, sondern in Ippinghausen an der Elbe. Aber ich vermisse ihn wirklich, den Karneval. Angesteckt haben mich die „Numburjer“ aus unserer Klasse mit ihrem „In Numburg do eß Karneval, Hansnarren sitt me üwerall/ in duller Fastnachtslunne“. Rosenmontag war Ausnahmezustand, weil ganz Naumburg närrisch auf den Beinen oder auf den Festzugswagen war, Mengen von Zuschauern die Straße säumten; und wir als Feuerwehrspielmannszug in Karvenalskostümen mitten drin im Getümmel, manchmal auch bei Eis und Schnee. Dann hieß es: Durchhalten! Das ist schließlich der Schlachtruf der Naumburger Narren, uff Numburjer Platt „Hahl dunne!“.

Uffs Dunnehahlen, auf’s Nicht-Nachlassen, auf’s Festhalten kommt es nicht nur für Karnevalisten gerade an: Für alle, für die die jetzigen Beschränkungen wirklich schmerzhaft sind, finanziell oder an Leib und Seele. Für alle, die „auf Sicht“ Entscheidungen treffen müssen, die immer auch Nebenwirkungen haben. Für eine Gesellschaft, in der die Meinungen heftig aufeinanderprallen. „Dunnehahlen“, aneinander festhalten, sich selbst und andere nicht aufgeben, das ist die Aufgabe.

Woher die Kraft dazu nehmen, wenn sie zu schwinden droht? „Die da harren auf den Herrn, kriegen neue Kraft“, weiß die Bibel. Und „Harren auf den Herrn“, das ist nichts anderes als „Dunnehahlen, weil häh uns hält“.

 6. Februar

Gedanken zum Sonntag:
Manchmal bleibt es dunkel

Von Arno Backhaus

Arno Backhaus ist christlicher Liedermacher und Autor aus Meimbressen.

Warum finden Menschen eigentlich den Psalm 23 („Der Herr ist mein Hirte…“) so toll - oder hören und lesen sie ihn nur oberflächlich? Denn in dem Psalm können wir nicht lesen: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du wirst es wieder hell machen“. Nein, steht da nicht! In meiner und auch in ihrer Bibel nicht. Da steht „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.“

Gott macht es nicht immer wieder hell, Krankheit bleibt, finsteres Tal bleibt, finanzielle Schwierigkeiten bleiben, aber Gott ist in allem Leid an meiner Seite. Ich bin nicht allein und verlassen. Ich habe einen Halt und Trost und kein billiges Vertrösten auf Helligkeit.

Das erinnert mich an den kleinen Jungen, der mit seinem Papa im Zug sitzt und sie durch einen Tunnel fahren. Plötzlich verschwindet nicht nur das Tageslicht, auch das Licht im Wagen geht aus. Stockdunkel. Nur gut, dass der Papa neben dem Kleinen sitzt. Für das Kind ist es nicht zuerst wichtig, dass es wieder hell wird, sondern dass der Papa neben ihm sitzt, der gibt dem Kind Schutz, Geborgenheit und Sicherheit.

Das wünsche ich uns, dass wir in allen Schwierigkeiten uns an Gott festhalten, er will uns stark machen, trotz mancher Dunkelheit

Glaubenssache:
Meer des Lebens

Von Pfarrerin Pille Heckmann-Talvar

Pille Heckmann-Talvar ist Pfarrerin für die Ev. Kirchengemeinde Naumburg-Ippinghausen.

Für uns Kinder gab es nichts Schöneres, als im Winter auf dem zugefrorenen Meer Schlittschuh zu laufen. Wir haben das genossen: Die weiße Weite, die Wintersonne. Die Minusgrade haben das Eis dick gemacht.

Im Januar und Februar musste man sich um unsere Sicherheit keine Sorgen machen. Am Anfang März konnte man vom Meer her mächtigen Krach hören. Das Meer bewegte sich. Am nächsten Morgen konnten wir die ersten Risse sehen. Nun war uns verboten, auf das Eis zu gehen. Weh dem Menschen, der die Macht der Naturgewalt verachtete. Es dauerte nicht lange, da haben sich die Eisblöcke voneinander getrennt. Der Wind jagte sie zum Strand. Sie häuften sich übereinander an und bildeten riesengroße Berge.

Besonders in der Nacht konnte man hören, wie sie ächzend und krachend aneinander stießen. Was für ein Sinnbild für unser Leben: Ein Riss, der plötzlich alles voneinander zu trennen droht. Sorgen, Zweifel, Angst, Unsicherheit, Hoffnungslosigkeit, Müdigkeit und vieles mehr häufen sich wie Eisblöcke an und bauen eine Mauer.

In dem Gesangbuch meiner Heimatkirche in Estland gibt es ein Lied: „Das Leben ist wie ein Meer, das mir Angst macht, wenn es braust und schäumt. Wo finde ich Trost, wenn meine Seele unruhig ist, wen rufe ich zur Hilfe, wenn ich unglücklich bin?“, fragt der Dichter. Er erhebt seine Hände zu Gott und betet: „Himmlischer Vater, segne mich auf meinem stürmischen Lebensmeer.“ Die Eismauer am Strand trennte uns vom Meer. Aber nach ein paar Tagen war sie verschwunden. Das Meer war frei! Der Frühling war gekommen!

Er kommt jedes Jahr, das wussten wir, wir mussten nur geduldig abwarten. Und wenn er kommt, dann ist er auch da wie Gottes Segen über uns und über unserem Lebensmeer, ob es gerade stürmt oder still steht. 


30. Januar

Glaubenssache:
Mürbe geworden

Von Pfarrerin Dr. Gisela Natt

Mürbe…

...dieses Wort höre ich oft.

Dr. Gisela Natt Ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Bad Emstal-Sand.

Die Menschen sind mürbe geworden von der Anspannung, von dem Druck, von den Doppelbelastungen. Es ist schlimm, allein zu sein, vielleicht noch mit Partner, trotzdem allein. Es ist belastend, mit der Familie auf engem Raum tagein tagaus beinander zu hocken und sich nicht aus dem Weg gehen zu können.

Mürbe werden und klagen – davon singt auch die Bibel ein Lied. Die Psalmen sind voll davon. Aber vielleicht ist das ja genau das Richtige. Es tun wie die Psalmen und klagen über das, was so mürbe macht. Denn es muss raus, es muss gesagt werden. Punkt!

Manchmal hören die Psalmen an diesem Punkt auf. Da kommt nix Tröstendes oder Versöhnliches. Da ist die nur die Klage. Punkt. Denn da ist noch nichts anderes. Vielleicht ist es genau richtig so: Wie die Psalmen klagen und warten und ruhig eine lange Pause lassen – ohne diesen Druck, es müsste sofort alles gut werden und wir könnten schnell weitermachen und funktionieren.

Es braucht eben Zeit, bis etwas Neues kommt, ein Funke Hoffnung und auch neue Energie. Aber irgendwann kommt er, dieser Lichtstreif am Horizont und mit ihm Energie. Davon singen die Psalmen auch ihr Lied. Zum Beispiel so. „Du hast meine Klage verwandelt in einen Reigen, …, und mich mit Freude gegürtet.“ (Psalm, 30,12)

Darum singen Sie ruhig mit den Psalmen Ihr Klagelied und warten Sie. Bis das frohe Lied kommt. Und auch das dürfen Sie singen.


Videoandacht aus dem Kooperationsraum Nachbarschaft Oberes Warmetal

Mit Pfarrerin Heike Radeck


23. Januar

Wort zum Sonntag:
Ein Haushalt und eine Person

Von Pfarrer Markus Schnepel

Markus Schnepel ist Pfarrer im evangelischen Kirchspiel Stadtkirchengemeinde Hofgeismar.

Harte Zeiten sind das. Besonders für die Menschen, die allein leben. Ein Singlehaushalt ist eben auch „nur“ ein Haushalt. Nun besagt die aktuelle Regel, dass sich ein Haushalt mit einer weiteren Person treffen darf. Mehr soll es nicht sein, um sich und andere nicht zu gefährden und die Infektionskette zu unterbrechen. Das ist für viele echt schwer. Aber diese eine Person sollten wir uns suchen. Die brauchen wir.

Am morgigen Sonntag stehen Rut und ihre Schwiegermutter Noomi im Mittelpunkt. Die beiden hatten ihre Familien verloren. Sie hatten nur noch sich. Noomi beschließt in ihre alte Heimat zurückzukehren und rät Rut aber in ihrer Heimat zu bleiben. Aber Rut ist hartnäckig: „Wo du hingehst, will ich auch hingehen!“. Wir zwei bleiben zusammen. Und so bauen sie sich eine neue Existenz auf. Wer ist die Person, mit der du jetzt Kontakt halten willst? Spazierengehen, telefonieren, skypen…. Wie auch immer. Vertrauen kann wachsen, sich vertiefen.

Wir zeigen uns unsere Schwächen, gestehen uns, wenn die Nerven blank liegen, weil die Coronazeit nicht enden will. Rut und Noomi tun das mit Gottvertrauen: „Dein Gott ist mein Gott!“. Sie wissen nicht, was die Zukunft ihnen bringen wird. Aber sie wissen, dass sie sich auf Gott und aufeinander verlassen können. Was für ein Segen!

Glaubenssache:
Die Bibel - die Basis

Von Lektorin Maryam Parikhahzarmehr

Maryam Parikhahzarmehr ist Lektorin in der Ev. Kirchengemeinde Wolfhagen.

Da liegt sie vor mir. Seit Mittwoch habe ich sie. Die neue BasisBibel. Ein dickes Buch. Auf dem violetten Buchdeckel ist ein großes weißes Kreuz gedruckt. Lange haben wir darauf gewartet. Viele Frauen und Männer haben daran gearbeitet. Sie haben die alten Texte in eine neue Sprache übersetzt. Kurz sind die Sätze. Und verständlich sind sie geschrieben. Das verstehen alle. Vor allem auch die jungen Leute. Ich bin überzeugt: Konfirmanden werden sie gern in die Hand nehmen. Und dann beim Lesen hoffentlich die alten Worte besser verstehen. Martin Luther, der große Bibelübersetzer des 16. Jahrhunderts, hat damals beim Übersetzen festgestellt: Man muss dem Volk aufs Maul schauen. Genau das passiert 500 Jahre später wieder. Das Wort Gottes wird in der Sprache der Zeit wiedergegeben. Die Basis des Glaubens wird in der Sprache der Zeit wiedergegeben. Die Glaubenssache.

Es hat einmal jemand gesagt: »Manche Leute kennen von der Bibel nur die Pappdeckel. Aber die sind das dunkelste an diesem Buch.« Ich weiß aus meinem Leben: Die Botschaft der Bibel verändert ein Leben. Mein Leben hat sich grundlegend verändert. Damals, als ich in meiner Heimat eigentlich gar keine Bibel besitzen durfte. Mit dem Kennenlernen der Bibel ist mein Leben hell geworden.

Natürlich brauchen wir die Lutherbibel weiter. Wir brauchen die Jahrhunderte alten Worte als Zeichen der Verbindung mit den Menschen, die vor uns gelebt und geglaubt haben. Wir brauchen sie gerade auch im Gottesdienst. Aber die BasisBibel kann uns – gerade auch im persönlichen Bibelstudium - helfen, die alten Worte neu zu verstehen, besser zu verstehen. Und das brauchen wir, weil der, von dem die Bibel erzählt, Jesus, die Basis unseres Glaubens ist. BasisBibel ist ein schönes Wort. 


16. Januar

Wort zum Sonntag:
,,schaut hin"

Von Pfarrerin Ute Engel

Ute Engel ist Koordinatorin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck für den Ökumenischen Kirchentag.

„Gefällt Ihnen, was Sie sehen?“ Jedesmal, wenn ich den Computer aufklappe, erscheint ein Landschaftsbild und diese Frage. „Gefällt Ihnen, was Sie sehen?“ Wie ist es, wenn ich dieses neue Jahr „aufklappe“? Es liegt vor mir, ungelebt und offen, besetzt mit Hoffnungen und Befürchtungen. Gefällt mir, was ich sehe? Gefällt Ihnen, was Sie sehen? Es gab lange kein Jahr, das mit so vielen Sorgen und Befürchtungen belastet war, wie das, was gerade angefangen hat.

In der biblischen Geschichte von der Speisung der 5000 gefällt den Freunden Jesu überhaupt nicht, was sie sehen: Eine große Menge Menschen hat den ganzen Tag zugehört und diskutiert und braucht jetzt etwas zu Essen. Wie sollen die alle satt werden? Jesus schickt sie nachsehen: „schaut hin“, „geht und seht nach, was wir haben“. Sie sehen nach und finden fünf Brote und zwei Fische. Der erste Blick gilt also dem, was schon da ist. Dafür sagt Jesus „Danke“. Der zweite Blick zeigt dann: Fünf Brote und zwei Fische sind lange nicht genug für so viele. Die Geschichte erzählt ein Wunder: Von dem Wenigen werden mit Gottes Hilfe alle satt.

„schaut hin“ ist das Leitwort des 3. Ökumenischen Kirchentages in Frankfurt, der digital und dezentral gefeiert werden wird. Das Jahr 2021 – und auch der Ökumenische Kirchentag – wird nicht „normal“, nicht so, wie wir erwartet, erhofft und erträumt haben. Alles wird anders sein, als wir es „gewohnt“ sind. „schaut hin“ – lassen Sie uns auf dieses Jahr schauen mit allen Sorgen und Befürchtungen und Hoffnungen und dabei zuallererst sehen: was gibt es denn schon? Vielleicht geschieht ein Wunder und wir werden - mit Gottes Hilfe und ganz anders als gedacht – alle satt.

9. Januar

Wort zum Sonntag:
Wir sind Gottes Kinder

Von Pfarrerin Johanna Fischer

Johanna Fischer ist Pfarrerin im evangelischen Kirchspiel Ehrsten.

Wir befinden uns im Lockdown. Um die Zahlen endlich zu senken, sind die Maßnahmen nochmal strenger geworden. Das ist nicht unumstritten, aber mir persönlich leuchtet es ein. Jetzt nochmal zusammenreißen und Infektionsketten unterbrechen, um dann wieder aufzuatmen. Man darf sich als Haushalt nur noch mit einer Person treffen. Die Schulen bleiben zu, in den Kitas wird eine Minimalbetreuung angeboten für alle, die es nicht anders schaffen.

Es ist schwer das zu entscheiden. Bekommen wir die Betreuung als Familie neben der Arbeit hin?Wie kann man dabei allen gerecht werden?

Ich bin ehrlich: Kann man nicht. Es geht über unsere Kräfte, man muss Abstriche machen. Wir leben in einer Ausnahmesituation. Und es zieht sich inzwischen schon lange. Die Nerven sind keine Drahtseile mehr, sondern liegen blank. Die der Eltern, aber auch die Kinder merken das.

Sorgen Sie für sich und Ihre Lieben. Jeder kann jetzt ein gutes Wort, eine liebe Geste gebrauchen. Sprechen Sie ab, wer wann wieviel Verantwortung tragen kann. Und beten Sie füreinander. Erinnern Sie sich daran, dass Sie getauft und damit Gottes Kinder sind. Und fragen Sie sich, von welchem Geist Sie sich treiben lassen wollen. "Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder." (Römerbrief 8,14)

Glaubenssache:
Ein neues Jahr

Von Pfarrer Gerd Bechtel

Gerd Bechtel ist landeskirchlicher Pfarrer im Stadtkirchenkreis Kassel.

Das mit den guten Vorsätzen für’s neue Jahr ist einerseits schon amüsant. Ich kann mir doch zu jeder Zeit vornehmen, mein Leben ein bisschen besser zu machen. Warum also bis zum Jahreswechsel warten? Andererseits wohnt jedem Anfang ein Zauber inne, wie Hermann Hesse so schön formulierte. Und das gilt für ein neues Jahr in besonderer Weise, vergleichbar – wie bei mir in diesen Tagen – mit einem neuen Lebensjahr.

Man kommt aus dem alten und den zunehmend vielen Jahren davor, nimmt sich einen Moment Zeit zurückzublicken auf das, was gewesen ist. Was habe ich erlebt, genossen und vielleicht auch erlitten? Was habe ich selbst geschafft, was wurde mir geschenkt? Ist mir etwas nicht gelungen, habe ich vielleicht auch mal so richtig „Mist gebaut“ oder bin falsch abgebogen? Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr kommt mir in den Sinn: So viel Schönes und Gutes - und nur manches, was ich lieber vergessen hätte. So ein Rückblick hat etwas von Wertschätzung des eigenen Lebensweges. Und er macht einmal mehr deutlich, wie wertvoll unsere begrenzte Lebenszeit ist, die wir in Kalender- und Lebensjahren zählen.

Wenn ich dann das neue Jahr in den Blick nehme, liegt es vor mir wie ein mit frischem Schnee bedecktes weites Land, noch ganz weiß und unberührt. Da hinein will ich die ersten Schritte sehr bewusst gehen und eine gute Spur hinterlassen. Und dabei ist der eine oder andere gute Vorsatz vielleicht doch ganz hilfreich.

Mir hilft dabei, dass ich mich von Gott begleitet fühle in meinem Leben. Das macht die Schritte so viel leichter. Ihn bitte ich, mich weiter zu leiten in ein gutes und gesegnetes neues Jahr. Und das erbitte ich auch für Sie, liebe Leserin und lieber Leser. Das erbitte ich für unser Land und unsere Welt.


5. Januar

"Seht die Vögel des Himmels an"

Von Pfarrer in Ruhe Konrad Hammann

"Sorget euch nicht – sehet die Vögel des Himmels an…!" Ein Wort Jesu, das mir in diesen Corona-Tagen hilfreich wurde:

Es war einige Tage vor Weihnachten. Ich beobachtete vom Fenster aus in unserem Garten unsere Amsel. Sie pickte intensiv auf etwas Gelbes ein. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich:  Es war ein Apfel, den sie da bearbeitete. Aber nicht irgendein Apfel, sondern der eine Apfel, den unser kleines  Bäumchen in diesem Jahr getragen hat.

Für uns ist es ein ganz besonderes Bäumchen. Wir haben es, als wir vor fünf Jahren noch einmal heirateten, im Gedenken an Luthers Wort vom Apfelbäumchen ("... und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge ...“) uns von unseren Freunden schenken lassen, es dann in unseren Garten gepflanzt und liebevoll umsorgt. In trockenen Zeiten hat es meine Frau gegossen. Im vorigen Sommer hat es dann zum ersten Mal getragen: Fünf herrliche Cox Orange.

Aber in diesem Sommer gab es nur einen Apfel und der wurde, weil er verkrüppelt war, nicht geerntet. Doch der Amsel machte das nichts. Ihr schmeckte er auch nach acht Wochen Lagerung im Gras. Wir überlegten: Ist es ihr täglicher Nachtisch? Da es in unserer Nähe kein Fallobst gibt, bringen wir ihr von unseren Spaziergängen Äpfel mit.

 Wie es mit unserer kleinen neuen Freundschaft weiter geht? Nun, im Augenblick freuen wir uns an diesen Möglichkeiten, die Gottes Schöpfung  darbietet und hoffen auf bessere Zeiten, wenn die guten alten Freunde wieder ins Haus dürfen.

Konrad Hammann ist Pfarrer im Ruhestand und hatte seine letzte Pfarrstelle in Helmarshausen.


2. Januar

Glaubenssache:
Seid barmherzig!

Von Pfarrer Stefan Kratzke

Stefan Kratzke ist Pfarrer für die Ev. Kirchengemeinde Balhorn-Altenstädt.

Wir blicken zurück auf ein Jahr, in dem sehr vieles anders war als gewohnt. Was hatten wir zu Beginn des Jahres 2020 alles geplant, uns vorgenommen? Und was ist aus unseren Vorsätzen und Plänen geworden? Vieles kam anders. Wir mussten flexibel sein, umdenken, neue Wege gehen. Dabei besondere Rücksicht nehmen auf Menschen, die gefährdet sind. Viele Entscheidungen mit großer Tragweite mussten oft sehr schnell getroffen werden. Von Menschen, die Verantwortung tragen. In Politik, Wirtschaft, Gesundheitswesen, Bildungs­einrichtungen, Vereinen, Kirchen, Familien …

Ich denke, den meisten ist das nicht leicht gefallen. Jeder Entscheidung gingen vermut­lich Gespräche, Diskussionen, Sitzungen, Überlegungen, vielleicht auch schlaflose Nächte voraus. Danach stehen die Verantwortlichen dann im Kreuzfeuer der Kritik, der Anders­denkenden, der Querdenker, der politischen Gegner. Es hagelt Verurteilungen und Unter­stellungen.

„Seid barmherzig, wie auch euer (himmlischer) Vater barmherzig ist“, sagt Jesus im Lukasevangelium (6,36). Er bittet uns, nicht mitzumachen beim Schlechtreden, Unterstellen, Verurteilen. Seid barmherzig, weil Gott barmherzig ist. Alle Barmherzigkeit hat ihren Ursprung in Gott. Gott nimmt uns an so wie wir sind – auch mit unseren Schwächen und Fehlern. Er ist sogar „gütig gegen die Undankbaren und Bösen“ (Lukasevangelium 6,35), setzt Jesus noch einen drauf.

Wenn Gott barmherzig mit euch ist, dann seid es bitte auch mit euren Mitmenschen. Lernt Barmherzigkeit. Werdet barmherzig. Richtet nicht. Verdammt nicht. Vergebt. So Jesus weiter. In kleinerer Münze könnte das bedeuten: die Unzulänglichkeiten der Anderen anneh­men; ihre Fehler nicht zum eigenen Vorteil ausschlachten, sondern helfen, daraus zu lernen; sich eingestehen, dass wir selbst auch nicht ohne Fehler sind; anderen vergeben und nicht übersehen, dass wir alle auf Vergebung angewiesen sind. Immer wieder.

„Werdet barmherzig, wie auch euer (himmlischer) Vater barmherzig ist. – Mit dieser Jahreslosung gehen wir durch das Jahr 2021 und lernen hoffentlich in kleinen Schritten Barmherzigkeit.


Video- und Onlinegottesdienste zum Jahreswechsel

Gottesdienst zum Jahreswechsel aus Hofgeismar mit Dekan Wolfgang Heinicke


Re-Live des Gottesdiensts zum Jahreswechsel aus dem Kirchenbezirk Wilhelmsthal-Liebenau, Ev. Kirche Westuffeln

Gottesdienst zum Jahreswechsel aus Dörnberg


Neujahrsgruß aus der Nachbarschaft Oberes Warmetal


      





 

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